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Das
Bandonion ist ein aus der Deutschen Concertina entwickeltes
Musikinstrument, dessen Name von dem seines Erfinders, des Krefelder
Musiklehrers Heinrich Band, abgeleitet wurde. Der ungeteilte
Beifall, den das Instrument bei Musikern und Musikkennern fand,
veranlasste Heinrich Band dazu, im Jahre 1843 die erste
Bandonionfabrik in Krefeld zu gründen und das Instrument als einer der
ersten auch in Orchestern einzusetzen.
Die
Tonerzeugung des Bandonions ist der des Akkordeons sehr ähnlich. Es
unterscheidet sich vom Akkordeon jedoch dadurch, dass es auf der linken
Seite keine Akkordbindungen hat, sondern beidseitig über eine
Einzeitonlage verfügt. Die ersten Bandonions hatten noch nicht den
Tonumfang der heutigen Instrumente, vielmehr eine kleine, der Concertina
noch sehr ähnliche diatonische Anlage. Im Lauf der Zeit wurde die
Tonskala, den Bedürfnissen einzelner Musiker entsprechend, erweitert.
Die Folge davon war, dass Bandonions mit einer Vielzahl
unterschiedlicher Systeme gebaut wurden. Der Deutsche Concertina- und
Bandonion-Bund empfahl deshalb nach dem Ersten Weltkrieg die
Entwicklung eines Einheits-Instrumentes. So entstand das noch heute in
Europa meistgespielte 144-tönige Bandonion.
Ein
wesentliches Merkmal des Bandonions ist seine spezielle Tabulatur, mit
deren Hilfe das Instrument ohne Notenkenntnis erlernbar ist. Auf der
Grundlage dieser Tabulatur brachten Musikverlage zahlreiche
Bearbeitungen von Konzert und Unterhaltungsmusik für Bandonion auf den
Markt, was zur raschen Verbreitung des Instruments beigetragen hat. Das
Bandonion wurde so zum bevorzugten Musikinstrument des Kleinen Mannes.
Überall in Deutschland wurden Bandonion-Spielkreise, Orchester und
Vereine gegründet. In der Zeit zwischen den Weltkriegen fand das
Bandonion in Deutschland seine grösste Verbreitung.
Deutsche
Seeleute und Auswanderer brachten das Bandonion noch vor der
Jahrhundertwende an den Rio de la Plata. Es handelte sich damals um eine
Vorform des Einheitsbandonions, ein Instrument der sogenannten Rheinischen
Tonlage mit 142 Tönen, das bis zum heutigen Tage in Argentinien und
Uruguay ausschliesslich gespielt wird und zum Synonym für den Tango
geworden ist. Speziell für den Export nach Lateinamerika wurde die
Rheinische Tonlage in Deutschland auch weiterhin hergestellt, wobei
der Name Bandonion in Bandoneón umgewandelt
wurde.
Seine
Modulationsfähigkeit, Ausdruckskraft und Klangfarbe machten das Bandoneón
zu einem der Hauptinstrumente der Tangoorchester, aus denen es die
Querflöte verdrängte. In grossen Orchestern wie in kleinen Gruppen
(Trio oder Cuarteto) ist das Bandoneón seither ein unverzichtbares
Instrument des Tango argentino, der in den vierziger und Anfang der
fünfziger Jahre und
damit das Bandoneón einen bis heute nicht wieder erreichten Höhepunkt
erlangt hat.
In
eben dieser Zeit ist die Bandonionkultur in Deutschland zum grössten
Teil in Vergessenheit geraten. Weder die Bandonionspieler noch die
Bandonionhersteller vermochten es in Deutschland, an die
Vorkriegsleistungen anzuknüpfen. Die Zerstörung der Fabrik des führenden
Bandonionherstellers Alfred Arnold in Krefeld während des
Krieges hat dazu ebenso beigetragen wie das Fehlen herausragender
Spielerpersönlichkeiten. Von wenigen Ausnahmen abgesehen hat sich das
Bandonionspiel in Deutschland seit den dreissiger Jahren musikalisch
nicht weiter entwikkelt.
Anders
in Argentinien und Uruguay. Obwohl auch dort der Tango seit dem Ende der
fünfziger Jahre an Bedeutung verloren hat, gibt es nach wie vor eine
Reihe ausgezeichneter Bandoneón-Solisten, die sich um Nachwuchs bemühen
und den Tango lebendig erhalten, indem sie neue Wege in der Musik gehen.
Leider sind Namen wie Piazzolla, Mosalini oder Barletta
hierzulande bis heute nur einem aufgeschlossenen
Publikum über den
Schallplattenhandel bekannt, ihr Einfluss auf die deutschen Spieler ist
gering.
Zu
beklagen ist auch der Mangel an guten Instrumenten, denn die technische
Entwicklung des Bandoneónbaus ist in den zwanziger Jahren stehen
geblieben. Es gibt kaum brauchbare alte und keine neuen Bandoneóns. Der
Bau guter Instrumente beschränkt sich auf die Versuche einzelner
Bastler. Gute Bandoneóns sind Erbstücke geworden: zum Beispiel übergab
Anibal Troilo sein Bandoneón an Astor Piazzolla.
Hundertunddreissig
Jahre noch seiner Enstehung ist das Bandonion-Bandoneón in Gefahr
auszusterben. Wird sich diese Entwicklung umkehren lassen? |